Mittwoch, 13. Januar 2016

was wäre, wenn wir blind wären

Als ich eben in der Stadt rum lief, sah ich eine Frau mit Blindenstock, wie sie an einer Ampel, über die Straße ging. Sie vollbrachte nur die halbe strecke bis zur Fußgängerinsel. Anschließend blieb stehen und wusste ganz genau, dass es rot geworden ist und es so weit ist, stehen zu bleiben. Sie machte einen Schritt nach links und tastete sich an der Ampel entlang bis zum Knopf unter dem blauen Schalter. - Ich weiß zwar nicht, was diese Dinger eigentlich machen und wofür sie hilfreich sind, aber anscheinend erfüllen sie ihren zweck und helfen denjenigen, die nichts, oder wenig sehen können und auf äußere Hilfe angewiesen sind. - Sie wartete darauf, dass es grün wird und sie weiter gehen kann, während ich sie in Gedanken versunken, von der anderen Straßenseite beobachtete. 


Ich fragte mich, wie ein Leben in völliger Dunkelheit wohl wäre. Wenn ich noch nie Licht, Farben, Menschen und Dinge gesehen hätte. Wie wäre es, nur durch andere Sinne zu "sehen", beziehungsweise zu fühlen? Oder, wie es wäre, vielleicht schon mal gesehen zu haben und es plötzlich nicht mehr so ist. Eine der wichtigsten Eigenschaften und Sinn eines Menschen, um eigenständig leben zu können. Nicht mehr wissen, wo was ist, welche Farbe die eigene Kleidung hat, nichts mehr auf Anhieb erkennen Können. Für manch einen, eine grausame Vorstellung.

Stellen wir uns mal vor, es wäre einfach eine andere Art des Lebens. Na klar, es ist gefährlicher und komplizierter, da wir uns immer noch in der Welt der sehenden befinden. Doch einfach mal versuchen daran zu denken, wie es wäre, sein leben anders zu leben. So, wie man abends das Licht ausmacht und vorher weiß, dass man seine Sachen nicht rumliegen lassen sollte, um auf dem Weg zum Bett nirgendwo gegen zu stoßen. Eine Vorbereitung auf eine Aktion, um sicher zu gehen, dass es funktioniert. Und wenn nicht, dann nehmen wir in Kauf einen blauen Fleck mehr zu haben. So ungefähr müsste man anfangen umzukoordinieren und zu lernen andere Methoden zu finden.

Wie wäre ein Gedankenexperiment? Eine Stunde meines Lebens werde ich meine Augen schließen und mich voll und ganz auf meine anderen Sinne und meinen Instinkt verlassen. Natürlich in sicherer Umgebung oder in Begleitung. Was werde ich erleben, wie werde ich behandelt? Wie würde ich mich vor allem fühlen? Hilflos oder doch eine erlebnisreiche Empfindung haben, voller Gefühle und Emotionen?
Ich weiß es nicht, aber ich sehe das Ganze als eine andere Lebensart, die wie auch meine, deine und der jedes anderen, einzigartig und individuell ist. Ein spezielles Hindernis im Leben, mit dem gelernt wurde umzugehen. Eigentlich wie bei jedem anderen Problem, jeder Krankheit und jeder neuen Situation. Aus diesem Grund,  sollte man kein Mitleid für diese Menschen haben, sondern Respekt und Anerkennung. Diese Menschen sind besonders und vor allem lehrreich. Sie zu beobachten, macht mich stolz und glücklich, denn sie sitzen nicht zu hause in ihrer sicheren Umgebung rum und haben Angst vor der Welt. Im Gegenteil. Sie gehen hinaus und erleben in reicher Fantasie den Alltag mit all seinen Hürden..

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